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Rittertum
Gesamtheit der durch
den mittelalterlichen Berufskriegerstand der
Ritter entwickelten sozialen, kulturellen,
rechtlichen und wirtschaftliche Verhältnisse.
Das Rittertum hatte
seine Grundlagen im germanischen Gefolge
(Gefolgschaft), woraus im Hochmittelalter ein
schlagkräftiges Heer aus berittenen Berufskriegern
in schwerer Rüstung entstand, die durch
Überlassung von Grundbesitz als Lehen
wirtschaftlich gesichert waren. Das Bestreben,
besonders in den Kreuzzügen christliches
Sittengesetz und Waffendienst miteinander zu
vereinbaren, führte zur Herausbildung der
Ritterorden.
Beim Begriff
Rittertum denken wir heutzutage an prächtige
Burgen, in denen die edlen Ritter mit ihren Frauen
prunkvolle Feste feierten. Aber aus etlichen
Überlieferungen erfahren wir, dass es eine
durchaus raue und brutale Zeit war und dass selbst
die Ritter ihre Tugenden nicht ernst nahmen und
daher auch in der Bevölkerung äußerst unbeliebt
waren.
Beginn des
Rittertums
Die Geschichte des
Rittertums begann in der ersten Hälfte des 8.
Jahrhunderts n. Chr. Es war eine Zeit, in der die
Anhänger des Propheten Mohammed nach der
Herrschaft über Westeuropa griffen. Zuvor hatten
sie schon Vorderasien und Nordafrika erobert. Ihr
erstes Angriffsziel war Spanien. Die Kämpfer
Allahs landeten im April des Jahres 711 an der
Südküste von Spanien, in der Nähe vom Felsen von
Gibraltar. Sie besiegten eine weit überlegende
christliche Armee und stürmten weiter ins
Landesinnere. Sie zwangen die Königsstadt Toledo
zur Kapitulation und erreichten im Sommer 713,
dass war knapp drei Jahre nach Beginn des Krieges
das Grenzgebirge zu Frankreich: Die Pyrenäen.
Dieser Krieg war
kein gewöhnlicher Krieg, sondern ein Dschihad (ein
Religionskrieg). Daher erweckten die Franken
Misstrauen, weil das Fränkische Reich direkt an
Spanien angrenzte. Die Franken bauten eine eigene
Schlagkräftige Armee auf. Die Truppengattung
nennen wir heute Fränkische Panzerreiter. Die
Panzereiter waren die Vorläufer des späteren
Ritters. Um das Jahr 732 erschienen die ersten
islamischen Krieger im Fränkischen Reich. In einer
zweitägigen Schlacht errangen die Franken einen
glorreichen Sieg und begannen mit der
Rückeroberung Spaniens.
Der Ritter
Ritter war ein
"Lehrberuf", der nur Adeligen vorbehalten war. Mit
7 Jahren wurde der Knabe auf die Burg eines
Ritters geschickt, dem er als Page zu dienen
hatte. In dieser Zeit musste er seinen Herrn bei
Tisch bedienen und Botengänge erledigen. Er lernte
zu reiten, Bogenschiessen, aber auch zu musizieren
und zu tanzen. Gehorsam, ritterliche Tugenden,
höfisches Benehmen und Wichtiges über das
Christentum standen in seiner Ausbildung an erster
Stelle.
Mit 14 Jahren wurde
er zum Knappen erhoben und musste sich einer sehr
strengen und harten Erziehung unterziehen. Er
lernte die Pferde zu pflegen, aufzuzäumen und in
voller Rüstung zu reiten. Wie man ein Landgut
verwaltet lernte er vom Gutsverwalter und vom
Landvogt. Der Schwerpunkt seiner Ausbildung lag
aber im Umgang mit Waffen und im Kriegshandwerk.
Er lernte Lanze, Schwert und Streitaxt mit beiden
Händen gleich gut zu führen. Die Pflege der
Rüstung brachte ihm der Waffenmeister bei. Vor
allem musste er seinen Körper durch Wettläufe,
Ringkämpfe und Waffenübungen kräftigen.
Eine große Ehre war
es für den Knappen, seinen Herrn zu Turnieren und
Kämpfen zu begleiten und dessen Lanze, Rüstung und
Schild zu tragen oder mit ihm auf die Jagd zu
reiten.
Mit 21 Jahren, am
Ende seiner Knappschaft, wurde der Knappe in einer
feierlichen Zeremonie in den Ritterstand erhoben.
Dazu verbrachte er die ganze Nacht betend in der
Kapelle, nur mit einer einfachen Kutte bekleidet.
Mit einer Morgenmesse begann die eigentliche
"Schwertleite". Dabei bekam er edle Gewänder in
den Farben Weiß, Rot und Schwarz. Sie sollte ihn
an ein Leben ohne Sünde, an das Blutvergießen
Christi und an den Tod erinnern. Zudem bekam er
die Sporen und sein Schwert. Dann kniete er vor
seinem Herrn nieder und legte den Ritterschwur ab.
Mit der Schwertfläche gab ihm dieser zwei Schläge
auf die Schultern. Damit wurde der Knappe zum
Ritter.
Als Ritter war man
zwar sein eigener Herr, hatte aber viele Pflichten
zu erfüllen, an die man durch den Ritterschwur
gebunden war:
"Ich
gelobe, die Schwachen zu verteidigen."
"Ich gelobe, die Kirche zu
schützen, ihre Lehren zu glauben und ihre Gebote
zu halten."
"Ich gelobe, die Pflichten
meinen Lehnsherrn gegenüber zu erfüllen."
"Ich gelobe, allen gegenüber
freimütig und großzügig zu sein."
"Ich gelobe, immer gegen
Ungerechtigkeit und für das Recht zu kämpfen."
"Ich gelobe, immer zu meinem
Wort zu stehen."
In diesem Schwur
waren die ritterlichen Tugenden festgeschrieben.
Edelmut, Tapferkeit, Loyalität und Großzügigkeit
waren die obersten ritterlichen Ideale. Er musste
seinem Dienstherrn treu sein, tapfer sein,
christliche Heiligtümer, Priester, Mönche und
Nonnen beschützen, Ungläubige bekämpfen, gegen
Arme freigiebig sein, Kranken beistehen, maßvoll
und besonnen handeln, großmütig und freigiebig
sein. Er sollte sich jedem gegenüber höflich
benehmen und sich gegen Frauen ehrerbietig zeigen.
Diese Tugenden
stellten sehr hohe Anforderungen an einen
Einzelnen, zu hohe. Doch der Traum vom Rittertum
begeisterte die Menschen im Mittelalter und macht
es auch noch heute.
Die Turniere
Als "Turniere"
bezeichnet man die so charakteristischen
Kampfspiele, bei denen Ritter und Knappe vor einem
begeisterten Publikum ihre Geschicklichkeit im
Waffenhandwerk und ihren Mut unter Beweis stellen
konnten. Auf Turnieren zu kämpfen war früher jeden
echten Ritter nicht nur ein Vergnügen, die
Telnahme bedeutete auch eine hohe Ehre. Das
Mittelalter kannte drei unterschiedliche Formen
des Turniers: Buhurt, Tjost und Turnei.
Der Buhurt war ein Massenkampf zwischen zwei
gleichgroßen und gleichstarken Heerhaufen.
Gekämpft wurde allerdings nur mit stumpfen Waffen.
Sonst aber ging alles genauso zu wie im Kriege.
Im Gegensatz zum Buhurt war der Tjost ein
Zweikampf. Er begann stets mit einen
Lanzenstechen. Nicht selten wurde beim Tjost auch
mit scharfen Waffen gefochten.
Ein Mittelding zwischen Buhurt und Tjost war der
Turnei. Hier kämpften auf einem kleinen
Turnierfeld zwei überschaubare Gruppen mit
stumpfen Lanzen gegeneinander. Sieger war die
Partei, die im Kampf Mann gegen Mann die meisten
Gegner aus dem Sattel werfen konnte.
Ungeachtet aller Gefahren war das Turnier vor
allem für die jüngeren Ritter eine Bühne, auf der
sie ihre Vorzüge ins rechte Licht setzen konnten,
um so eines Tagen zu erlangen, was sie sich am
meisten wünschten: Ruhm und Ehre, fette Beute,
einen angesehenen Dienstherren und eine reiche
Frau.
Das Leben der Ritter
Selbstverständlich
wohnte ein richtiger Ritter auf einer richtigen
Burg - so glauben die meisten. Doch das stimmt
nicht. Denn um eine Burg bauen und unterhalten zu
können, musste man über sehr viel Geld verfügen.
Sehr viel Geld aber hatten nur der Hochadel und
vielleicht noch ein paar reich gewordene
Ministerialen. Dagegen lebten die meisten Ritter
in bescheidenen Verhältnissen, hatten also nicht
die geringste Aussicht, jemals Burgherr zu werden.
Wo dennoch Ritter ohne Vermögen auf Burgen
wohnten, da taten sie es als Angestellte ihres
Dienstherrn: als Burgvögte, Verwalter,
Waffenmeister, Jagdaufseher und so weiter.
Die Mehrzahl der einfach Ritter aber lebte draußen
auf dem Lande, meist in einem Dorf, das zu ihrem
Leben gehörte, umgeben von den Bauern und
Leibeigenen. Über ihre eigenen Häuser weiß man
nicht allzu viel. Vermutlich waren die meisten aus
Stein gebaut, besaßen an den Ecken kleine Erker,
aus denen man ein freies Schussfeld hatte, und
wurden durch einen schmalen Wassergraben
geschützt.
Im Inneren gab es gewöhnlich zwei Räume: ein Wohn-
und Empfangszimmer, indem auch gekocht und
gegessen wurde, und ein Schlafzimmer für die ganze
Familie. Eingerichtet war ein solches Ritterhaus
nur mit dem Allernötigsten: mit Tischen, Bänken,
Schemeln, Betten, Truhen, viel Stroh und wenig
Stoffen. Alles in allem also nicht gerade das, was
man sich im allgemeinen unter einem ritterlichen
Haushalt vorstellt.
Das Ende des
Rittertums
Gegen Ende des 15.
Jahrhunderts hatten die Ritter ihre Rolle im
Alltagsleben der europäischen Staaten und Völker
endgültig ausgespielt. Sie hatten sich überlebt -
auf dem Schlachtfeld ebenso wie als
gesellschaftliche Klasse. Doch bevor die
Erinnerung an sie verblasste, erlebten die
ritterlichen Ideale noch einmal eine kurze, aber
glanzvolle Blütezeit.
Der Anstoß dazu ging vom Hochadel aus. Während
sich ringsum die ritterliche Welt von einst
auflöste, blieb bei Baronen, Grafen, Fürsten und
Königen eine starke Sehnsucht nach der guten alten
Zeit lebendig - nach einer Zeit, in der das Ideal
vom "Ritter ohne Furcht und Tadel" das Leben
aufregend und zugleich sinnvoll gemacht hatte.
Dieses Ideal einer glanzvollen Vergangenheit
wiederzubeleben. Schien ihnen auch ein wirksames
Mittel zu sein gegen die geistigen Umwälzungen in
einer Zeit, die im Begriffe stand, zu neuen
Horizonten aufzubrechen und deshalb vielen nicht
geheuer war.
Eine hektische Betriebsamkeit setzte ein. Überall
in Europa entstanden neue Ritterorden und
Ritterbruderschaften, die ihre Mitglieder auf eine
ritterliche Lebensweise einschworen. Doch für eine
neue Ritterschaft gab es schon längst keine
wirklich Aufgaben mehr. So erschöpfte sich dieses
ganze Tun und Treiben rasch in einer Art
Gesellschaftsspiel: in bedeutungsschweren
Aufnahmezeremonien, feierlichen Gelöbnissen,
festlichen Auftritten und allerlei
"Kulissenzauber", wie ein bekannter Historiker das
zutreffend genannt hat.
Ihren weithin sichtbaren Ausdruck aber fand die
neue Ritterbegeisterung vor allem in den
phantastisch herausgeputzten Turnieren, wie sie an
den großen europäischen Fürstenhöfen, aber auch in
vielen Städten in Mode kamen. Um die größte
Prachtentfaltung bei diesen sündhaft teuren
Veranstaltungen wetteiferten miteinander der
englische König Heinrich VIII. (1515-1547), die
selbst erfolgreich an solchen Turnieren
teilnahmen. An Begeisterung und Glanz weit
übertroffen aber wurden beide von ihrem
strahlenden Konkurrenten, dem deutschen König und
späteren Kaiser Maximilian I. (1486-1519), den
schon seine Zeitgenossen den "letzten Ritter"
nannten.
Zu Recht! Denn Maximilian, der in seiner Person
Wirklichkeitssinn und romantische Schwärmerei
vereinte, meinte es mit der Wiederbelebung der
ritterlichen Ideale ernst. Redlich bemühte er sich
darum, als Ritter zu leben und seiner Umgebung und
seiner Zeit ein ritterliches Vorbild zu geben.
Seine Turniere waren in ihrer prunkvollen
Ausstattung einzigartig. An ihnen teilnehmen zu
dürfen, galt als eine hohe Ehre. Der Kaiser selbst
war ein leidenschaftlicher Turnierreiter und einer
der besten: ihn zu besiegen, gelang nur wenigen.
Doch der Zauber, wie es von Maximilian und
seinesgleichen ausging, konnte auf Dauer nicht
darüber hinwegtäuschen, das der späten
Ritterbegeisterung etwas Künstliches und
Theatralisches anhaftete. So hielt denn auch die
Hochstimmung nicht lange an. Als im Jahre 1559 der
französische König Heinrich II. durch den
splitternden Schaft einer Turnierlanze umkam,
verbot sein Nachfolger solche Veranstaltungen für
immer. Und bald darauf stellte man auch im übrigen
Europa den Turnierbetrieb ein.
Am Ende des Mittelalters versuchten viele Ritter
die finanzielle Notlage, in die sie geraten waren,
mit Gewalt zu bessern, indem sie als "Raubritter"
Kaufleute und andere Reisende ausplünderten.
Schließlich mussten die Landesherren gegen die
Verbrecher einschreiten und ihre Burgen zerstören.
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